„Teppichklopfer“ zu Besuch auf dem Flugplatz in Büsum


„Teppichklopfer“ zu Besuch auf dem Flugplatz in Büsum – Selten gewordener Militärhubschrauber besuchte ein letztes Mal Dithmarschen

Text und Fotos: Ingo von Oven

 

 

Einen seltenen Besuch erhielt wieder einmal der Flugplatz Oesterdeichstrich bei Büsum. Ein Hubschrauber der Bundeswehr legte im Rahmen eines Trainingsfluges eine kurze Pause auf dem Dithmarscher Flugplatz ein, um hier mit der dreiköpfigen Mannschaft im Bistro die weit über die Grenzen hinaus bekannte regionale Spezialität, nämlich das deftige Krabbenbrot mit Spiegeleiern, zu genießen.

 

Landungen von Bundeswehrflugzeugen, insbesondere durch Hubschrauber, gehören auf dem Büsumer Flugplatz zum Alltag und kommen nicht selten vor. Ungewöhnlich dagegen ist der Besuch eines Hubschraubers, den es bald nicht mehr geben wird. Es ist die Bell UH-1D. 16 Tausend Exemplare dieses Modells sind seit 1968 in der amerikanischen Flugzeugproduktionsstätte „Bell Helicopters“ gebaut worden. Es handelt sich um einen leichten Mehrzweckhubschrauber für das Heer, auch mit dem Namen „Iroquois“ versehen, da Armeeflugzeuge in den USA üblicherweise nach Indianerstämmen benannt werden.

 

Seit 1969 wurden erste Maschinen auch in Deutschland in Dienst gestellt, für Personentransport und auch für Sonderaufgaben. Wichtigstes Einsatzfeld ist der Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue). Besetzt mit 2 Piloten und einem Luftrettungsmeister unterstützt diese Maschine die zivile Rettung in dringenden Notfällen und Naturkatastrophen. Mit einem Einsatzradius von bis zu 220 km wird der militärische Rettungsdienst außer bei Verkehrsunfällen auch für die Suche nach vermissten Luftfahrzeugen oder z.B. zur Suche und Rettung von Personen im Gebirge eingesetzt, und das bei Tag und bei Nacht, 24 Stunden 7 Tage die Woche an drei Standorten in Deutschland. Für ein Fliegen über See ist er allerdings nicht mehr ausgerüstet. In den USA ist die Bell UH-1D bekannt durch seine Einsätze im Vietnamkrieg, allerdings mit hohen Verlustquoten: Von dort eingesetzten 7.000 Maschinen kehrten nur 2000 heil zurück.

 

Wegen der auffälligen Fluggeräusche, angeblich schon aus 10 km zu hören, wurde dieser Typ von den Soldaten auch als „Teppichklopfer“ bezeichnet; mit dem typischen Knallen, dass durch Luftwirbel an den Rotorblattspitzen entsteht, ist es allerdings bald vorbei. In Amerika wurde die Fliegerlegende nach 50 Dienstjahren im Jahr 2009 bereits gänzlich außer Dienst gestellt. In Deutschland wird dieser Schritt bis Mitte 2021 erfolgen. Die hier bewährte Maschine, zur Zeit noch an drei Standorten stationiert, wird dann sukzessive durch modernere Modelle ersetzt.

 

 „Die Bell UH-1D ist nach wie vor zuverlässig und gut zu fliegen“ sagt der erste Pilot, der 36-jährige Hauptmann  Christian Thurau aus Niederstetten im Main-Tauber-Kreis nahe Rothenburg ob der Tauber, wo die Maschine im Transporthubschrauberregiment 30 stationiert ist. „Sie ist aber nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand. Daher wird sie ersetzt werden durch die modernere H 145 von Airbus mit einem zweiten Triebwerk und modernerer Avionik und – wichtig für die Personenrettung in schwierigem Gelände – einem statt 45 m langen dann 90 m langen Seil. Die Ausbildung auf dem neuen Hubschrauber hat bereits begonnen.“  Damit wird die Existenz des am meisten in der Welt gebauten Drehflüglers beendet sein. Da die zivilen Luftrettungsunternehmen das Gebiet der Bundesrepublik nahezu flächendeckend abdecken werden zur Zeit nur noch wenige Flüge mit dem „fliegenden Rettungswagen“ absolviert, um Menschenleben in den verschiedensten Situationen zu retten.

 

Das exzellente Krabbengericht ließ sich die Besatzung in der Pause vor dem Weiterflug im Flugplatzbistro gut schmecken. Der Flugsportclub Heide-Büsum hatte sie dazu eingeladen und 2 Mitglieder des Vereins leisteten Ihnen dabei Gesellschaft, wobei natürlich einige interessante Fachgespräche und ein Erfahrungsaustausch nicht ausblieben.

 

Mit einem Hubschrauber neueren Typs, vielleicht mit dem H 145 von Airbus, versprachen sie, werden die begeisterten Piloten den Flugplatz Heide-Büsum in den nächsten Monaten sicherlich wieder ansteuern, dann natürlich während der wohlverdienten Pause auch wieder mit dem Ziel, im Bistro ein zünftiges Büsumer Krabbenbrot mit Spiegeleiern zu bestellen und mit einigen Mitgliedern des Flugsportclubs Heide-Büsum einen „Smalltalk“ zu halten.

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