Spezialflugzeug in Büsum


Flugplatz Heide-Büsum jetzt Basis für Spezialflugzeug –

Wattenmeer mit neuem Verfahren aus der Luft vermessen

 

Text und Fotos: Ingo von Oven

 

Eine neue Aufgabe hat seit ca. zwei Wochen der Flugplatz Heide-Büsum in Österdeichstrich übernommen. Seit Jahren ist dort der Linien-Flugverkehr zwischen Büsum und Helgoland (OFD) beheimatet. Aktive Piloten des Flugsportclubs Heide-Büsum haben dort außerdem ihre privaten Maschinen neben den Vereinsmaschinen in den diversen Hangars stehen, um von hier aus ihrem privaten Hobby, dem Fliegen, nachzugehen.

Spezialflugzeug aus Österreich

Für drei Wochen bedeutet dieser Flugplatz die Basis für ein Spezialflugzeug, das die Wattlandschaft an der Nordseeküste vermessen soll. Nach einer Ausschreibung des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein erhielt die österreichische Firma Airborne Technologies aus Wiener Neustadt den Zuschlag für diese Aufgabe. Die Firma  mit 10-jähriger Erfahrung auf diesem Sektor hat sich auf die Ausrüstung von Kleinflugzeugen mit den unterschiedlichsten Arten der  Messtechnik spezialisiert und führt sämtliche Formen der Vermessung durch wie z. B. Überwachung von Pipelines und Trassenführungen, Grenzüberwachung, archäologische Aufgaben und nicht zuletzt Geoscanning über und unter Wasser sowie auch Luftbildaufnahmen.

 

Seit ca. zwei Wochen sind der Berufspilot Thomas I. sowie der Operator, Lukas H., Studierender im Bereich Ressourcenmanagement, beide aus Österreich, täglich in der Luft. In Abhängigkeit von der Tide fliegen die beiden mit einer zweimotorigen Maschine, der in Italien gebauten „Tecnam P 2006 T, die von Airborne Technologies zu einem Spezialflugzeug umgebaut wurde, über das Watt. Nur in einer bestimmten Zeit, eine Stunde vor und ein anderthalb Stunden nach Niedrigwasser geht es mit 110 Knoten in knapp 400 m Höhe über den Wattboden auf geplanten, 180 m voneinander entfernten Linien per GPS.

Für den erfahrenen Berufspiloten erfordert das Fliegen ein hohes Maß an Genauigkeit. Erschwert wird das Fliegen zeitweise bei starker Algen-, Schaum- und Schlickbildung sowie bei niedrigen und dichten Wolken. Auch für den Operator ist höchste Präzision bei der Arbeit mit den Instrumenten angesagt. Er bedient einen Spezialscanner, der noch bis zu einer Wassertiefe von 3 Metern eine Abbildung des Untergrundes anfertigt, und stellt außerdem Luftbildaufnahmen her.

Während bisher die Seevermessung zum Erstellen einer Seekarte oder auch zum Erkennen von unter Wasser liegenden Objekten (Steine, Wracks) oder zu anderen Zwecken mit Hilfe von Echolotvermessungen vom Schiff aus erfolgte, erledigen neuerdings auch Flugzeuge diese Aufgabe. Mit einem neuartigen Verfahren, der Laserbathymetrie, wird ein Laser im grünen Wellenlängenbereich eingesetzt. Ein Teil der Energie wird dabei von der Wasseroberfläche reflektiert, während der andere in das Wasser eindringen und den Seegrund erfassen kann. Die weitere Auswertung der gewonnenen Daten erfolgt am Hauptsitz in Österreich.

Wenn auch die Witterungsverhältnisse an der Nordsee die Planung der durchzuführenden Arbeiten zeitweise erschweren, fühlen sich die beiden Fachleute aus Österreich in Büsum recht wohl. Die Wattlandschaft mit ihren Prielen, Sänden und den Seehunden hat einen starken Eindruck hinterlassen.

Wie beide Österreicher äußerten, haben ihnen die bisherigen Arbeiten sehr viel Freude bereitet. Hervorzuheben sei die perfekte Infrastruktur von Büsum einschließlich dem Flugplatz in Österdeichstrich.  Ein Abstellplatz für das speziell ausgerüstete Flugzeug im Hangar, Tankmöglichkeiten am Platz, Leihauto und eine gute Versorgung im Flugplatzbistro sorgten für optimale Arbeitsbedingungen. Einzig eine geeignete Übernachtungsmöglichkeit direkt am Flugplatz hätten sich die Beiden gewünscht.  Jedoch die positive Unterstützung durch den Vereinsvorsitzenden, Michael Pietsch, und den Flugleiter, Achim Trensch, sowie das harmonische Zusammensein mit den Vereinsmitgliedern waren zur Durchführung ihrer Aufgabe sehr hilfreich und erleichterten maßgeblich die Arbeiten.

 

Fotos: Ingo von Oven

Bildunterschriften:

 Das speziell ausgesrüstete italienische Flugzeug „Tecnam“  mit dem Piloten Thomas I. (r) und dem Operater Lukas H. (l)

Der Operator beim Arbeiten mit den Messgeräten im Flugzeug